D.R. Reid: Spaltungen unter Christen verhindern

Leitverse: Josua 22,10-12
Jos. 22,10-12: Und als sie in die Bezirke des Jordan kamen, die [noch] im Land Kanaan [liegen], da bauten die Söhne Ruben und die Söhne Gad und der halbe Stamm Manasse dort einen Altar am Jordan, einen Altar, groß von Aussehen. Und die Söhne Israel hörten sagen: Siehe, die Söhne Ruben und die Söhne Gad und der halbe Stamm Manasse haben den Altar gebaut vor das Land Kanaan in den Bezirken des Jordan nach der Seite der Söhne Israel. Und als die Söhne Israel es hörten, versammelte sich die ganze Gemeinde der Söhne Israel nach Silo, um gegen sie zum Krieg hinaufzuziehen.
Inhalt:
Ehrenwerte Entlassung
Bürgerkrieg
Gute Kommunikation
Keine kühlen und formellen Gespräche führen
Den anderen verstehen wollen
Wie oft führt ein kleines Missverständnis zu Reibereien und Spaltungen unter Gottes Volk! Missverständnisse verursachen nicht nur Zerrüttungen von Freundschaften zwischen einzelnen Gläubigen, sondern auch Gemeindespaltungen. Ungelöste Missverständnisse schrumpfen nicht einfach so oder lösen sich auf — sie sind ausnahmslos wie "Schneebälle". Wie tragisch! Wie können wir Missverständnisse minimieren? Wir können sie im Keim ersticken — indem wir den biblischen Richtlinien folgen!
Um einige wichtige Richtlinien zu erkennen, werden wir eines der größten Missverständnisse in der Geschichte Israels untersuchen, aufgeschrieben in Josua 22. Wenn wir die Fehler und deren Lösungen betrachten, werden uns die göttlichen Grundsätze bewusst werden, die uns helfen, Missverständnisse zu vermeiden, wenn wir sie [die Grundsätze] beachten. Gelöste Missverständnisse bedeuten weniger Reibereien unter den Gläubigen und dafür mehr Anbetung und Dienst zur Ehre Gottes. "Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!" (Ps. 133,1).
Die Ereignisse in Josua 22 finden kurz vor der Eroberung des Landes Kanaan durch Israel statt. Der Widerstand der Feinde wurde durch die brillante "Zerstreuen-und-Erobern-Taktik" gebrochen; geleitet von Josua, aber geplant und durchgeführt durch den Herrn Selbst. Die feindlichen Koalitionen und mögliche gemeinsame Angriffe wurden so im Keim erstickt. Obwohl in verschiedenen Stammesgebieten der feindliche Widerstand erhalten blieb, waren die größten Schlachten der Eroberung vorbei. Zu diesem Zeitpunkt schickte Josua die zweieinhalb Stämme, deren auserkorenes Gebiet auf der Ostseite des Jordan lag, nach Hause. Die Stämme von der Westseite des Jordan würden die "Säuberungsarbeiten" in Kanaan beenden.
Erinnerst du dich an die Hintergrundgeschichte der zweieinhalb Stämme? Bevor das Volk Israel den Jordan überquerte, um Kanaan zu erobern, hatten die Stämme Ruben, Gad und die Hälfte von Manasse den Wunsch geäußert, in Gebieten auf der Ostseite des Jordan zu leben. Sie dachten, es sei gutes Land für ihre Herden und sie wollten ihre Frauen und Kinder nicht der Gefahr der feindlichen Stützpunkte westlich des Jordan aussetzen. Und obwohl es Gottes Absicht war, dass alle zwölf Stämme Israels den Jordan überqueren und sich im Gelobten Land niederlassen sollten, sagte Er zu Mose, es den zweieinhalb Stämmen zu erlauben – solange sie versprechen, ihre Truppen über den Jordan zu senden, um gemeinsam mit den restlichen Stämmen zu kämpfen. Nach der Eroberung könnten sie in ihr erwähltes Gebiet zurückkehren (siehe 4. Mose 32 für die Einzelheiten). Die zweieinhalb Stämme hatten diesen Bedingungen zugestimmt und mutig Schulter an Schulter mit den restlichen Stämmen unter dem Kommando des Generals Josua gekämpft. Nun waren sie auf dem Weg nach Hause. So beschreibt der Abschnitt in Josua 22 hauptsächlich eine ehrenhafte militärische Entlassung, die den Truppen der zweieinhalb Stämme zuteil wurde. Josua sprach zu ihnen: "Ihr habt alles gehalten, was Mose, der Knecht des HERRN, euch geboten hat, und habt meiner Stimme gehorcht in allem, was ich euch befohlen habe. Ihr habt eure Brüder nicht verlassen diese lange Zeit bis zum heutigen Tag und habt das Gebot des HERRN, eures Gottes, treu gehalten. Nun aber hat der HERR, euer Gott, euren Brüdern Ruhe verschafft, wie er zu ihnen geredet hatte. Nun denn, kehrt um und geht wieder zu euren Zelten, in das Land eures Eigentums, das Mose, der Knecht des HERRN, euch jenseits des Jordan gegeben hat! Nur achtet genau darauf, das Gebot und das Gesetz zu tun, das Mose, der Knecht des HERRN, euch befohlen hat: den HERRN, euren Gott, zu lieben und auf allen seinen Wegen zu wandeln und seine Gebote zu halten und ihm anzuhängen und ihm zu dienen mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele" (Jos. 22,2-5)!
Bis zu diesem Zeitpunkt lief alles wie geplant. Alle Truppen und Kriegskameraden verabschiedeten sich und trennten sich (V. 9). Es war eine großartige und siegreiche Eroberung. Nun konnten sie sich darauf freuen, in ihr jeweiliges Zuhause zurückzukehren und ihre Farmen zu bauen und ihre Familien zu vergrößern, in dem guten Land, das Gott ihnen gegeben hatte. Aber am Horizont zog Ärger auf — Ärger, den niemand vorhergesehen und erwartet hatte. Und es begann mit einem Missverständnis.
Als sich die Truppen von Ruben, Gad und der Hälfte Manasses auf den Weg zum Jordan machten, entschlossen sie, einen großen symbolischen Altar zu bauen, bevor sie den Jordan überquerten — nicht einen Opferaltar, sondern ein Denkmal zum Zeugnis für spätere Generationen (V. 10). Das Jordantal stellte eine natürliche Trennung zwischen den Stämmen im Osten und den Stämmen im Westen dar. Die Führer der zweieinhalb Stämme wollten sicherstellen, dass zukünftige Generationen nicht vergessen, dass alle Stämme einer Nation angehören und sie alle denselben Gott anbeten. Die ganze Nation wurde vereint, das Land zu erobern und sie blieben vereint. Niemandem wurde der Zugang zur Stiftshütte, dem zentralen Heiligtum auf der Westseite des Jordan, oder später zum Tempel, nachdem er ebenfalls auf der Westseite in Jerusalem errichtet worden war, verweigert.
Unglücklicherweise wurden die guten Absichten der Führer der zweieinhalb Stämme von den neuneinhalb Stämmen falsch gedeutet. Als die Israeliten im Westen vom Altarbau erfuhren, wurde es vorschnell als Rebellion gegen den HERRN gedeutet (V. 11-12)! Die neuneinhalb Stämme glaubten, dass die zweieinhalb Stämme einen Opferaltar bauten, um dort ein neues System aufzustellen, im Trotz gegen Gottes Gesetz. Mit gerechtem Grimm und frommem Eifer in ihren Herzen versammelten sie sich bei der Stiftshütte des HERRN in Silo und beschlossen, gegen ihre "rebellierenden" Brüder in den Krieg zu ziehen. Die junge Nation stand am Rande eines Bürgerkriegs.
Beachte, dass aus dieser "Mücke" eines Missverständnisses der "Elefant" eines möglichen Bürgerkriegs wurde, und das mit ursprünglich guten Absichten auf beiden Seiten! Die zweieinhalb Stämme beabsichtigten ein beständiges Zeugnis der nationalen Einheit vor dem Herrn zu bauen, während die neuneinhalb Stämme befürchteten, dass diese sich vom Gesetz Gottes zu entfernen drohten. Ebenso ist es heute, selbst wenn Mitgläubige es gut meinen, können ihre guten Absichten durch vorschnelles Urteilen, Missdeutung und Missverständnis in Reibereien und Spaltungen enden. Der gute Wunsch, ein neues Amt einzusetzen oder eine neue Gemeinde zu gründen, kann missverstanden und als "Konkurrenzkampf" oder "Schafraub" bezeichnet werden. Die göttliche Initiative, dass jemand als Leiter dienen soll, kann als stolzes "Machtspiel" interpretiert werden. Der korrekte Beweggrund, nahe an der Heiligen Schrift zu bleiben, kann als "Traditionalismus" ausgelegt werden. Auf der anderen Seite kann der fromme Wunsch nach neuen "Außenstellen" oder Gottesdienstformen als "gefährliche Abwendung" von Gottes Wort gedeutet werden.
Das Missverständnis, das letztendlich zu einem Bürgerkrieg geführt hätte, hätte ganz einfach vermieden werden können, wenn beide Seiten das getan hätten, was uns heute, lange nach dem Geschehnis, ganz offensichtlich scheint. Wenn die zweieinhalb Stämme den übrigen nur genau erklärt hätten, was sie vorhaben, bevor sie den Altar bauten! Wenn doch nur die neuneinhalb Stämme nicht so vorschnelle und falsche Schlüsse gezogen hätten! Wie viele Gemeindespaltungen könnten verhindert werden, wenn man von Anfang an offen und ehrlich kommunizieren würde! Wie viele Krieg führende Splittergruppen könnten zusammengeführt werden, wenn der Konferenztisch der Kommunikation in der Reihenfolge vor der errichteten Trennmauer käme. Wie viele Familientrennungen, Herzschmerzen und Trennungen könnten ausgeräumt werden zwischen Ehemännern und –frauen oder Eltern und Kindern, wenn vorschnelles Urteilen und verärgerte Worte und Taten verhindert werden könnten und durch liebevolle Kommunikation die "stille Misshandlung" ersetzt werden könnte.
Gute Kommunikation kann Probleme im Keim ersticken. Sie würde uns helfen, uns vom falschen Urteilen über die Beweggründe der anderen abzuhalten (Mt. 7,1) oder davor, dass unsere eigenen Taten falsch interpretiert werden. Selbst gut gemeinte Taten mit guten Motiven können bei mangelnder Kommunikation in den größten Missverständnissen enden. Ehrliche und offene Kommunikation ist absolut notwenig, ganz egal, ob es darum geht, dass einzelne Gläubige miteinander zurechtkommen oder Gemeinschaften reibungslos funktionieren oder christliche Familien intakt, wohlbehalten und glücklich bleiben. Die Kommunikation zu bewahren ist besonders kritisch, während Satans Armeen alles Erdenkliche versuchen, um Verwirrung zu stiften und Unehre über Gottes Volk zu bringen, indem sie Christen trennen — Ehemänner von Ehefrauen, Kinder von ihren Eltern und Gemeindeglieder untereinander. Lasst uns die naheliegende Lektion lernen, die Gott uns in Josua 22 förmlich "zuruft".
Glücklicherweise fand Kommunikation statt, bevor ein Bürgerkrieg und eine verheerende Spaltung der neuen Nation widerfuhr. Bevor sie hastig "disziplinarische Maßnahmen" vollzogen gegen ihre "rebellierenden" Brüder, wurde eine Delegation unter dem Priester Pinehas gesandt, um ihnen zu erklären, wie die neuneinhalb Stämme den Altarbau sahen. Erklärung und Ermahnung vor hastiger Reaktion ist immer der göttliche Weg.
Keine kühlen und formellen Gespräche führen
Aber es war mehr als kühle und formelle Gespräche, die einen friedlichen Vergleich in der Krise herbeiführten. Die Ermahnung beinhaltete auch Gnade und Versöhnung, was typisch ist für göttliche Ermahnungen. In Vers 19 wurden die zweieinhalb Stämme eingeladen, ihre ursprüngliche Entscheidung, sich auf der Ostseite des Jordan anzusiedeln, nochmals zu überdenken und sich den neuneinhalb Stämmen im Gelobten Land anzuschließen. Dies war ein selbstloses Angebot, weil jeder der neuneinhalb Stämme im Interesse der Wiederherstellung und Heilung von seinem eigenen Land etwas hätte abgeben müssen. Wie viel wären wir bereit, im Interesse des Friedens in Gemeinde, Gemeinschaft und Familie zu opfern? Wären wir bereit, uns zu demütigen und unser persönliches "Gebiet" aufzugeben, um die negativen Auswirkungen der Missverständnisse mit unseren Brüdern und Schwestern in Christus zu beheben oder die Familienfehden zu entschärfen? Die neuneinhalb Stämme praktizierten "Neue-Testament-Prinzipien", lange bevor die folgenden Verse geschrieben wurden! "Nichts aus Eigennutz oder eitler Ruhmsucht [tut], sondern dass in der Demut einer den anderen höher achtet als sich selbst; ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern ein jeder auch auf das der anderen" (Phil. 2,3-4). "In der Bruderliebe seid herzlich zueinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend" (Röm. 12,10). Beachte die starke Betonung der Demut, Geduld und Selbstaufopferung, die von den neuneinhalb Stämmen zum Ausdruck gebracht wurde. Wie viel mehr sollten wir, die wir Erlösung von der Sünde und Versöhnung mit Gott durch unseren Herrn Jesus erlangt und noch dazu die kompletten Schriften vorliegen haben, diesen Grundsätzen folgen!
Die Antwort der zweieinhalb Stämme gegenüber dem "Fakten-feststell-Ausschuss" ist sicher ein Vorbild für Friedensstifter, um ihnen auch heute noch zu folgen (V. 21-29). Ihre entrüstete Antwort hätte folgendermaßen lauten können: "Wie könnt ihr es wagen, unsere Beweggründe in Frage zu stellen?", oder: "Wie kommt ihr darauf, dass ihr die Einzigen seid, die Gottes Willen erkennen?" Aber die zweieinhalb Stämme antworteten nicht so. Sie erklärten geduldig ihre Aktion, ohne aus der Haut zu fahren oder sich zum verbalen Gegenschlag oder Rufmord hinreißen zu lassen. Tatsächlich erklärten sie demütig, anstatt auf ihren Rechten zu beharren oder spezielle Behandlung aufgrund ihrer Hilfe bei der Eroberung des Landes zu fordern, dass sie bereit wären, wenn sie falsch gehandelt hatten, die Züchtigung von den neuneinhalb Stämmen vor dem Herrn zu ertragen! Wären wir so demütig gewesen — besonders dann, wenn unsere Absichten ehrenwert waren und voreilig und falsch beurteilt wurden? Wie die neuneinhalb Stämme zeigten auch die zweieinhalb Stämme Eigenschaften des Neuen Testaments wie Demut und Geduld. "Mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander in Liebe ertragend. Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens" (Eph. 4,2-3). "Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Christus euch vergeben hat, so auch ihr" (Kol. 3,12-13).
Die Pinehas-Delegation war vernünftig. Sie hörten ihren Mit-Israeliten zu und unternahmen einen ehrlichen Versuch, ihre Absichten und Belange zu verstehen, als die sofortige Zerstörung des Altars zu fordern. Es war kein Wunder, dass eine friedliche Einigung stattfand (V. 30-34). Hätten wir auch so bereitwillig unseren "rechtschaffenen Eifer" und unsere Empörung zurückgehalten, um geduldig zuzuhören und zu versuchen, die Gesichtspunkte der anderen in der Familie und in der Gemeinde zu verstehen? Wären wir bereit, Fehler in unserem Urteil zu erkennen und einzugestehen und legitime Belange und Wünsche anderer zu bestätigen? Pinehas und seine Delegation akzeptierten die Erklärung, dass der Bau am Fluss eine Nachbildung war und keine Konkurrenz. Der neue Altar blieb bestehen als ein ungewöhnliches und neuartiges — aber nicht ungesetzliches — Denkmal für die Geschichte und Einheit als Nation. Das Missverständnis wurde bereinigt. Die rechtschaffene Empörung wurde durch demütige Erklärung besänftigt. Ein Bürgerkrieg wurde verhindert, der Bruch zwischen Kameraden geschlossen. Und der HERR wurde gepriesen und verherrlicht!
Was für eine Fülle von Anleitungen haben wir in Josua 22 für uns heute — für Gemeinden, Familien, Freundschaften. Lasst uns die Geschichte nicht nur lesen! Wir sollten der Sache nachgehen und diese göttlichen Prinzipien anwenden, um Missverständnisse zu minimieren. "Die Weisheit von oben aber ist aufs Erste rein, sodann friedsam, gütig, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften" (Jak. 3,17-18).
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Ein Artikel von Glaube.de
Mit freundlicher Genehmigung von Sound Words
Autor: D.R. Reid, Übersetzung: SM
Textbearbeitung Jürgen Motzkus, Redakteur bei www.glaube.de
--------------------------------------------------------------------------------------------------------
Einleitung






